Jaimie S., Pädagogische Fachkraft an einer Ganztagesgrundschule

"Mich begeistern besonders die vielfältigen Fortbildungsmöglichkeiten des Jugendamtes und die Wertschätzung meiner Arbeit."

1. Seit wann und in welcher Tätigkeit sind Sie beim Jugendamt beschäftigt?

Ich arbeite seit November 2016 beim Jugendamt Stuttgart in der Ganztagesbetreuung an der Mühlbachhofschule.

2. Mein Weg zum Jugendamt

Während meines Studiums der Kultur- und Medienbildung arbeitete ich am Wochenende in einer Bar in Stuttgart. Eine Kollegin dort erzählt mir von ihrer Arbeit in der Ganztagesschulkindbetreuung und schwärmte mir von ihrer täglichen Arbeit sowie dem Jugendamt vor.

Da mein Studium sich dem Ende zuneigte und ich nicht so recht wusste, wo mich mein Weg hinführen sollte, bewarb ich mich beim Jugendamt. Nach einigen Wochen und einer Hospitation an der Mühlbachhofschule konnte ich meinen Arbeitsvertrag unterschreiben.

3. Welche Eigenschaften muss eine pädagogische Fachkraft aus Ihrer Sicht mitbringen?

Meiner Meinung nach ist eine Grundvoraussetzung für die pädagogische Arbeit eine bestimmte Haltung und ein pädagogisches Gespür, welches man nicht wirklich lernen kann, sondern einfach besitzen muss. Selbstverständlich reifen diese Kompetenzen mit der Zeit und Erfahrung, aber die Basis muss einem in die Wiege gelegt sein.

Ein gewisses Maß an Kreativität und die Gabe, spontan zu improvisieren sowie eine große Portion Geduld und auch Biss sind unbedingt notwendig, um eine gute pädagogische Fachkraft zu sein. 

4. Was zeichnet Ihre Einrichtung aus?

Was ich am allermeisten an meiner Einrichtung schätze, ist das Team und die Zusammenarbeit. Es muss keiner Hemmungen haben, um Hilfe zu bitten, sei es gegenüber der Leitung oder den Kollegen/innen. Immer hat irgendwer eine Idee, wenn man selbst mal nicht weiterkommt mit einem Projekt, einem Kind oder einem Problem. Wir tauschen uns sehr viel aus, verstehen uns größtenteils auch auf privater Ebene sehr gut und können miteinander und auch übereinander lachen. Konflikte werden nicht unter den Teppich gekehrt, sondern in irgendeiner Weise angesprochen und geklärt. Besonders das Leitungstandem ist in seiner Doppelrolle als Kollege/in und Chef/in sehr gut darin, zwischen locker-lustigem Privatgespräch und professioneller Unterhaltung zu wechseln und zu trennen. Das führt zu einer sehr entspannten Atmosphäre und produktiven Zusammenarbeit.

5. Ich arbeite gerne bei der Stadt Stuttgart, weil ...

ich das Gefühl habe, dass meine Arbeit wertgeschätzt wird. Das Jugendamt engagiert sich für meinen Arbeitsbereich und es gibt vor allem sehr gute Fortbildungsmöglichkeiten. Auch die Kommunikation und Hilfsbereitschaft bei Fragen oder einem Anliegen sind super. 

6. Was sind die Höhepunkte in Ihrem beruflichen Alltag?

Zum einen stellt es mich natürlich zufrieden, wenn ein von mir geplantes Projekt funktioniert und den Kindern Spaß gemacht und gleichzeitig etwas gelehrt hat.

Die wirklichen Höhepunkte sind aber manche Situationen mit einzelnen Kindern. Wenn ein Kind, das sonst sehr introvertiert und still ist, meine Gesellschaft sucht und mir etwas erzählt, was es erlebt hat. Oder wenn ein sehr aufgedrehtes Kind, das oft Quatsch macht und schwierig zur Ruhe zu bringen ist, beim Vorlesen darum bittet, dass ich ihm den Rücken kraule und es sich dabei vollkommen entspannt. Oder wenn ein Kind beispielweise das erste Mal bowlen ist und nach der dritten Runde langsam den "Dreh raushat"und nach jedem Wurf freudestrahlend und aufgeregt mit den Armen wedelnd erzählt, wie viel Spaß ihm das Ganze macht und wie toll das ist. 

7. Was ist Ihr nächstes Reiseziel?

Ich werde mit meiner Schwester nach Amerika reisen, in Philadelphia für zwei Wochen wohnen und Tagesausflüge nach Washington D.C. und New York machen. 

8. Was ist Ihr Lebensretter an stressigen Tagen?

Definitiv meine Kolleginnen und Kollegen. Oft sind aber auch die Kinder selbst die Retter eines Tages. Die oben genannten Höhepunkte gleichen stressige Situationen eigentlich immer aus oder überwiegen sogar.

Jaimie S.
Jaimie S. arbeitet seit 2016 in der Ganztagesbetreuung beim Jugendamt. Foto: Venera Redzepi